lyrikon
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  Vor dem Tag - Wortlos - Was kommen wird - Abschied
Auf'm Alex - Luise - Typischer Tag - Ungeteilt
Ja, da gibt es was zu sehn - Du, mein Kind, bist klug und mutig
Frühstück an der Spree - Sehnsucht

Die Danaïde (Rodin) - Die Verwandlung (Brucker)
Die Violine (Look) - Werkgruppe 1 (Look)
   
  Typischer Tag
   
  Heute war so ein typischer Tag. An denen beschäftige ich mich immer mit Fliegen, Hausfliegen natürlich, die wilden sind mir zu schnell. Nicht sieben auf einen Streich, ich übertreibe zwar gern, aber das wäre doch etwas arg dick aufgetragen, außerdem bisschen abgedroschen, nicht wahr? Nein nein, eine nach der anderen. Und auch nur zwei. Das liegt zum Teil daran, dass mich dabei in letzter Zeit ganz plötzlich so eine Art Reue überfällt, dann muss ich immer den Putzlumpen holen um die Überreste zu beseitigen.
Ist das nun Erziehung? Oder was Angebornes? So was, das schon vor meiner Geburt da war, im Anfang gewissermaßen, und das mir nicht erst von irgendeiner gut gemeinten Tante in die Wiege gelegt wurde? (Klar, da lag es auch und hat mir praktisch alles weggenommen, den ganzen Platz, wahrscheinlich kommt meine Klaustrophobie daher.) Ich weiß es nicht, stelle nur fest, über was man sich alles Gedanken machen kann, es ist schon erstaunlich. Und dabei scheint es auch noch Sinn zu ergeben, das ist ja das Schlimmste!
Also weiter, Kinder können schließlich genauso eine Treppe rauf und runter rennen, immer wieder, und man steht dabei und denkt sich, ach wie unbefangen und so natürlich sind diese kleinen Wesen noch, jaja, schade, dass wir es ihnen austreiben müssen, na! noch fünf Minuten, hast du gehört! Ich war bei den Fliegen, muss mich sputen, damit ich die Einschlafgeschichte nicht etwa verpasse, muss brav sein, noch fünf Minuten.
Mami, ich hab einer Fliege die Augen abgehauen. Aber ohne Absicht, es ist halt einfach so passiert. Weißt du? Sie hat noch gezappelt, Mami, es war so furchtbar. Und als ich sie wegwischen wollte hat sie sich am Lappen festgeklammert und ihre Beine geputzt, ohne Augen, Mami, die lagen noch am Boden.
Das darf nicht zu weinerlich rüberkommen, sonst merkt sie womöglich was und ich kann dann morgen die Hausaufgaben unter ihrer Zensur machen. Muss sie ablenken von den Ursachen. Und mich auch, es kann ja nicht ewig so weitergehn. Im Grund ist Fliegentöten auch nur eine Art Kurzweil. Aber man kann dabei an nichts anderes denken, das ist ihr Plus.


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