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| Vor dem Tag - Wortlos - Was kommen wird - Abschied Auf'm Alex - Luise - Typischer Tag - Ungeteilt Ja, da gibt es was zu sehn - Du, mein Kind, bist klug und mutig Frühstück an der Spree - Sehnsucht Die Danaïde (Rodin) - Die Verwandlung (Brucker) Die Violine (Look) - Werkgruppe 1 (Look) |
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| Luise | |
Bis jetzt hat sich
mir keine Frau aufgetan. Luise streicht zwar noch
manchmal zwischen den Zeilen herum, wie eine
Platzanweiserin im Kino: mit der Taschenlampe die
Zuschauer störend, - aber wenn ich sie bitte sich zu mir
zu setzen, lacht sie nur heimlich und hält mir ein Eis
hin. Sie hat diesen Job noch nicht lange, ihr Chef ist
trotz allem zufrieden mit ihr. Dass sie ihn nicht leiden
kann, gilt ihm gleich, schließlich ist er nicht
verantwortlich für die Arbeitsverhältnisse. Die
Bezahlung ist mies: zehn Mark die Stunde und drei Prozent
Provision. Um sie zu ärgern nehme ich das Eis nicht.
Mist, soll sie denken, schon wieder neun Pfennig
verloren. Das denkt sie natürlich nicht, aber trotzdem.Erstaunlich ist hier nur die Beinfreiheit, die hat man woanders nicht mehr so ausführlich. Die Polster sind schwammig und abgewetzt, der Boden verklebt, nur die vorderen Sitze sind weit genug weg. Es wäre also nicht weiter schwer, eine Frau hierzuhaben. Es kommt ja allein auf die Beine an, der Rest ist im Dunkeln eh nicht so gut zu erkennen. Man liegt sich auf dem Mund, während die Augen das Flimmern suchen: So was Bescheuertes! Da ist es doch wesentlich besser die Beine zu haben und den Kopf für den Film freizulassen! Was hindert, sind die alten Moralititten, nein: -täten, entschuldigung, naja, und die Tatsache, dass ich allein bin. Die Kassiererin, am Telefon, die hat zwar mitleidig geklungen, aber mitkommen wollte sie auch nicht. Stöhnen aus den hinteren Reihen ignoriere ich einfach. Was gehts mich an! Entweder der Film taugt was oder ich denke darüber nach, wie viel Schicksale hier im Raum sind. Sie ziehn sich auf die Leinwand hin zusammen, wenn ich mich anstrenge, seh ich sie manchmal, und trotzdem bleiben mir ihre Details scheinbar absichtlich verborgen. Vorne sitzen zwei rülpsende Bettler, für die nur das Nichtdenken zählt und die Wärme. Bei Witzen kichern, bei Fotzen gröhlen sie, wegen des Gleichklangs. Das ist zu ertragen, auch wenn Luise was andres behauptet. Copyright © Frank Reinhard. Alle Rechte vorbehalten. |