Werkgruppe 1
von
Oliver Look
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Wer du auch
bist: Tritt näher heran.
Komm ins Licht.
Näher. Schau mich an.
Ich bin dein Bild. Ich bin dein Gesicht.
Ich bin dein Schatten. Ich bin deine
Lüge.
Ich bin alles, was du mir nicht zeigst.
Ich bin allein.
Lässt du mich zu dir, ins Leben hinein?
Du schweigst.
Ich möchte so gerne im Leben sein,
möchte hinaus und hinab
in das Leben. Ich weiß, dass es trüge. -
Tritt näher heran oder wende dich
ab. |
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Ich bin in
der Mitte, umgeben von mir,
zersplittert in Viele.
In jedem Splitter bin ich ganz.
Ist das mein Herz, was da schlägt?
Ist das die Gier
nach dem wirbelnden Tanz
meines wachsamen warmen Gesichts?
Sind das die lange vergessenen
Spiele
im Treiben und Kreisen des Lichts,
das sich nähert, entfernt und mich trägt?
Kaum.
Aber irgendwas hebt mich hinaus
in den Raum.
Ich spreche mich immerzu aus.
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Irgendetwas
hat mich entdeckt.
Etwas hat mich gefunden.
Ich weiß nicht, was es war.
Vielleicht ein Jahr?
Vielleicht zu viele Stunden?
Vielleicht ein Verlust?
Es ist nicht zu fassen.
Es gibt keine deutliche Spur.
Ich weiß nur,
ich habe es einmal gewusst.
Etwas will mich nicht lassen.
Irgendetwas hat mich aufgeweckt. |
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Nein, keinen
Schrei
und kein Schweigen
bekommst du von mir.
Was soll ich dir zeigen?
Was genau soll ich dir
in die Hand zählen: zwei
oder drei meiner Stimmen?
Nun sag schon.
Kannst du schwimmen?
Ich bin tief.
Rufst du alles heraus,
was lang in mir schlief?
Spar dir den Hohn.
Um mich herum ist es still.
Also: Such es dir aus.
Weil ich nicht will.
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Wenn es nur
einmal ganz still wäre:
Ich glaube, ich könnte mich finden.
Wieder und wieder treiben die Stunden,
an denen ich meine Erinnerung nähre,
in irgendein Dunkel hinein
und verschwinden.
Ich taste mich ab: meine runden
und glatten Gedanken, mein
Schreien, in dem ich mich balle.
Ich falle.
Mein Blick schweift herum,
streift wie ein Kind um
die Menschen, die Dinge, die klaren Gestalten,
verweilt, hält sich irgendwo fest:
an einem Haus, einer Tür, einer Wand,
einem Baum, einer Hand, an dem Rest
zweier Stimmen, die sich verhalten,
an einem Stückchen Papier -
und plötzlich begegne ich mir. |
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Irgendein
Blick hat mich heute getroffen,
morgens, vorm Spiegel, im Bad.
Ich fühle mich seltsam bedrängt.
Ein Zweifel, vielleicht auch ein
Hoffen
rollt wie ein loderndes Feuerrad
durch meinen Kopf und versengt
meinen Schrei.
Ich bin stumm.
Ich sehe mich ständig an oder um,
fragend, ernst, wach.
Ich gleite an mir vorbei.
Meine Gedanken pfeifen mir nach.
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Texte:
Frank Reinhard -- Fotografien: Oliver Look
Kann für den privaten Gebrauch ausgedruckt
werden.
Die kommerzielle Verwendung ohne Einverständnis der
Urheber ist untersagt.
Copyright © Frank Reinhard und Oliver Look.
Alle Rechte vorbehalten.
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